Amazon Agent Policy: Neue BSA-Regeln ab 4. März 2026

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Amazon Agent Policy: Neue BSA-Regeln ab 4. März 2026
Das ist Folge 7 unseres REVOIC Amazon Update Podcasts: Stephan Bruns und Maik Busch sprechen darüber, wie Amazon sein Business Solutions Agreement (BSA) um deutlich mehr Regularien für KI-Agenten und automatisierte Tools im Seller Central erweitert – und was das für Händler bedeutet, die Repricing-, Inventory- oder Content-Tools einsetzen. Am Ende des Artikels ist die komplette Folge als Video eingebettet.
Die Kernaussage vorweg: Amazon verlangt ab dem 4. März 2026, dass sich jedes automatisierte System, jeder KI-Agent und jedes Tool, das in deinem Namen im Seller Central aktiv ist, gegenüber Amazon eindeutig als automatisiertes System zu erkennen gibt. Wer sich als Mensch ausgibt, Captchas umgeht oder sich nicht an die neue Agent Policy hält, riskiert die Abschaltung des Zugriffs. Die Ankündigung kam am 19. Februar, die Frist ist mit rund zehn Werktagen ungewöhnlich kurz.
Quick Facts zur Amazon Agent Policy
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Was wurde geändert? | Amazon hat das Business Solutions Agreement (BSA) um eine neue "Agent Policy" für automatisierte Systeme und KI-Agenten erweitert |
| Wann wurde es angekündigt? | Am 19. Februar 2026 |
| Ab wann gilt die neue Regel? | Ab dem 4. März 2026 |
| Welche drei Pflichten gibt es? | Identifikationspflicht, Compliance-Pflicht, Abschaltverpflichtung |
| Wen betrifft das? | Praktisch jedes Tool, das automatisiert auf Seller Central zugreift: Repricing, Inventory-Management, KI-Listing-Optimierung, automatisierter Kundenservice, Scraping-Dashboards, Account-Management-Software von Agenturen |
| Gilt das schon in Europa? | Laut Podcast zunächst nur in den USA veröffentlicht, eine Übernahme in europäische Solution-Verträge gilt aber als wahrscheinlich |
| Was ändert sich parallel bei der Digitalsteuer? | Ab dem 20. März 2026 berechnet Amazon die Digital Services Fee (DSF) einheitlicher nach Verkaufsland statt nur nach Händlersitz |
Zwei Änderungen an einem Wochenende, ein gemeinsamer Nenner: Amazon zieht die Zügel bei allem an, was außerhalb der offiziellen API auf der Plattform passiert – technisch bei Tools und Agenten, finanziell bei der Steuerlast, die an Händler weitergereicht wird.
Was die neue Agent Policy konkret verlangt
Amazon hat das BSA um drei Pflichten erweitert, die für alle automatisierten Zugriffe auf Seller Central und Vendor Central gelten:
- Identifikationspflicht. Der Agent, der in deinem Namen im Seller Central aktiv ist, muss sich eindeutig als automatisiertes System ausweisen und darf sich nicht als Mensch ausgeben. Amazon nennt es explizit: kein "act like a human". Captchas dürfen nicht umgangen werden.
- Compliance-Pflicht. Die Einhaltung der Agent Policy muss permanent gegeben sein, nicht nur beim erstmaligen Setup.
- Abschaltverpflichtung. Wer sich nicht an die Policy hält, muss den Zugriff sofort einstellen können – oder Amazon schaltet ihn ab.
Damit reagiert Amazon auf eine Praxis, die es laut Stephan Bruns schon lange gibt: Tools bauen einen simulierten Browser-Zugriff, weil die offizielle API bestimmte Aktionen nicht abbildet – etwa das Eröffnen von Support-Cases, FBA-Reimbursement-Anträge oder Auszahlungen. Dieser Graubereich wird jetzt formalisiert. Amazon verbietet die Automatisierung nicht per se, verlangt aber, dass sie sich zu erkennen gibt.
Praxis-Blick: Im Seller-Central-Forum in den USA wurde konkret nach FBA-Reimbursement-Tools gefragt, die automatisch Fälle bei Lieferdifferenzen eröffnen. Amazons Antwort blieb vage: Das Tool müsse sich als automatisiertes System zu erkennen geben und die Requirements der Agent Policy erfüllen – eine klare Aussage, ob solche Tools künftig verboten sind, gab es nicht.
Welche Tools betroffen sind – und was das für dich bedeutet
Betroffen ist praktisch jedes Tool, das automatisiert auf Seller Central zugreift:
- Repricing-Tools
- Inventory-Management-Software
- KI-gestützte Listing-Optimierung
- Automatisierter Kundenservice (VA-Tools, Helpdesk-Software)
- Daten-Scraping-Dashboards und Analytics-Tools
- Account-Management-Software von Agenturen
Das betrifft einen großen Teil der Software, mit der Seller und Agenturen täglich arbeiten. Wer als Händler ein Drittanbieter-Tool nutzt, ist nach Einschätzung von Stephan Bruns nicht das primäre Ziel der Regel – das Risiko trägt zunächst der Tool-Anbieter, was sich aber auf den Service auswirkt, den du nutzt. Wer sich eigene Automatisierungen gebaut hat, ist direkter betroffen.
Unsere Erfahrung: Als Agentur, die Tools im Kundenauftrag auf Amazon-Accounts einsetzt, heißt das für uns: Jedes eingesetzte Tool muss prüfbar konform mit der neuen Agent Policy sein. Deshalb empfehlen wir jedem Händler, der aktuell Automatisierungstools nutzt, aktiv beim Anbieter nachzufragen, statt abzuwarten. Wie du deinen Amazon-Account technisch und organisatorisch auf neue Compliance-Anforderungen vorbereitest, ist ein Thema, das wir im Account-Management immer wieder mit Kunden durchgehen.
Zusätzlich hat Amazon im BSA explizite Verbote im Bereich KI-Training ergänzt: Amazon-Daten dürfen nicht für das Training eigener KI-Modelle verwendet werden, Reverse Engineering von Amazon-Services ist ausdrücklich untersagt – das trifft etwa Tools, die Suchalgorithmen durch Massenabfragen "erforschen". Im Podcast wird das als Verschärfung eingeordnet, nicht als neue Regel: Ähnliche Klauseln standen laut Stephan Bruns schon vorher in den Solution-Verträgen, wurden jetzt aber klarer formuliert.
Digitalsteuer: Was sich zusätzlich ab 20. März 2026 ändert
Parallel zur Agent Policy gibt es ein Update bei der Digital Services Fee (DSF), mit der Amazon die nationale Digitalsteuer an Händler weiterreicht. Bekannt ist das Prinzip aus Frankreich: Dort werden zusätzlich zur Verkaufsprovision und zur FBA-Gebühr jeweils drei Prozent Digitalsteuer fällig. Amazon wendet diesen Aufschlag künftig auch in Italien und Spanien an – dort zunächst nur auf die Verkaufsprovision. In Großbritannien liegt der Satz bei zwei statt drei Prozent.
Ab dem 20. März 2026 rechnet Amazon die DSF konsequenter nach dem Land ab, in dem tatsächlich verkauft wird, statt nur nach dem Sitz des Händlers. Für Händler, die ausschließlich auf amazon.de verkaufen, ändert sich dadurch nichts. Wer aber international auf mehreren europäischen Marktplätzen aktiv ist, muss die unterschiedlichen Sätze je Land in die Preiskalkulation einbauen – 3 % in Frankreich (Provision und FBA), 3 % in Italien und Spanien (bislang Provision), 2 % in UK.
Praxis-Blick: Im Podcast wird kritisiert, dass es keine einheitliche Linie zwischen den Ländern gibt. Wer paneuropäisch mit hunderten oder tausenden Artikeln verkauft, kann das kaum manuell im FBA-Rechner nachrechnen – die Komplexität in der Preiskalkulation steigt spürbar.
Immerhin bleibt der administrative Aufwand überschaubar: Amazon erfasst und führt die Steuer direkt ab, Händler müssen sich nicht selbst um die Abführung kümmern. Wer die Marge halten will, muss die Preise in den betroffenen Ländern aber aktiv anpassen – automatisch passiert das nicht.
FAQ zur Amazon Agent Policy und Digitalsteuer
Muss ich als Händler jetzt sofort etwas tun, wenn ich Repricing- oder Automatisierungstools nutze? Sprich aktiv mit deinen Tool-Anbietern, ob sie die neue Agent Policy erfüllen – also sich als automatisiertes System zu erkennen geben und keine Captchas umgehen. Eine sofortige Sperrung deines Verkäuferkontos allein wegen der Tool-Nutzung gilt als unwahrscheinlich, das Risiko liegt zunächst beim Tool-Anbieter.
Gilt die neue Agent Policy schon für Seller in Deutschland? Zum Zeitpunkt der Podcast-Aufnahme war die Regel zunächst in den USA veröffentlicht. Eine Übernahme in die europäischen Solution-Verträge wird als sehr wahrscheinlich eingeschätzt, ein konkretes Datum dafür gab es aber nicht.
Was bedeutet das Verbot rund um KI-Training konkret? Amazon-Daten und -Materialien dürfen nicht zum Training eigener KI-Modelle verwendet werden, Reverse Engineering der Amazon-Services ist verboten. Das betrifft insbesondere Tools, die über Massenabfragen versuchen, Suchalgorithmen oder Rankingfaktoren zu rekonstruieren.
Betrifft mich die Digitalsteuer-Änderung, wenn ich nur auf amazon.de verkaufe? Nein. Die Änderung zum 20. März 2026 betrifft vor allem Händler, die auf mehreren europäischen Marktplätzen aktiv sind, etwa über Pan-European FBA. Wer ausschließlich in Deutschland verkauft, ist davon nicht direkt betroffen.
Fazit: Zwei Amazon-Updates, ein gemeinsamer Trend
Amazon zieht mit der neuen Agent Policy die Kontrolle über automatisierte Zugriffe auf Seller Central und Vendor Central deutlich an – mit kurzer Vorbereitungszeit und offenen Detailfragen zur technischen Durchsetzung. Gleichzeitig wird mit der Digital Services Fee ein zweites Update wirksam, das die Kalkulation für international aktive Händler komplexer macht. Für Amazon-Seller mit Fokus auf mehrere europäische Marktplätze heißt das: Jetzt die eingesetzten Tools und die Preiskalkulation prüfen, statt im März überrascht zu werden.
Wie Stephan Bruns und Maik Busch die Details einordnen und wo sie selbst noch Unsicherheiten sehen, hört und seht ihr am besten direkt in der eingebetteten Folge weiter unten. Wenn du dabei Unterstützung brauchst, deine eingesetzten Amazon-Tools auf Compliance zu prüfen oder deine Preisstrategie an neue Gebührenmodelle anzupassen, sprich uns an.
Du setzt Repricing-, Inventory- oder Content-Tools auf deinem Amazon-Account ein und weißt nicht genau, ob die neue Agent Policy schon Auswirkungen auf deine Prozesse hat? Im Account Management von REVOIC prüfen wir gemeinsam mit dir, welche Tools in deinem Setup betroffen sind und wie du deinen Account compliant und gleichzeitig effizient betreibst. Lass uns sprechen, bevor der 4. März 2026 zum Problem wird.






