Amazon Quartalszahlen Q4 2025: Die 200-Milliarden-Wette

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Amazon Quartalszahlen Q4 2025: Die 200-Milliarden-Wette
Im REVOIC Amazon Update, Folge 5, ordnen Stephan Bruns und Maik Busch die am Vortag veröffentlichten Amazon-Quartalszahlen für Q4 2025 ein und sprechen darüber, warum sich Amazon gerade offen zur KI-Infrastruktur-Company erklärt. Die komplette Folge gibt es als Video am Ende dieses Artikels.
Die Amazon Quartalszahlen Q4 2025 zeigen ein Unternehmen, das operativ stark läuft, aber massiv in die eigene Zukunft investiert: Der Umsatz stieg um 23,21 Prozent auf 213,386 Milliarden US-Dollar, AWS wuchs so schnell wie seit 13 Quartalen nicht mehr, und trotzdem verlor die Amazon-Aktie an der Börse rund 12 bis 13 Prozent. Der Grund dafür ist keine schwache operative Leistung, sondern eine Ankündigung: Andy Jassy erhöhte die geplanten Investitionen (CapEx) für 2026 von ursprünglich 160 auf 200 Milliarden US-Dollar. Für Amazon-Seller und Vendoren lohnt sich ein genauer Blick auf die Details, denn sie zeigen, wohin die Plattform sich entwickelt.
Quick Facts zu den Amazon Quartalszahlen Q4 2025
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Wie hoch war der Amazon-Umsatz in Q4 2025? | 213,386 Mrd. USD, davon Nordamerika 127,083 Mrd., International 50,724 Mrd., AWS 35,579 Mrd. |
| Wie stark ist der Umsatz gewachsen? | 23,21 % im Jahresvergleich (YoY) |
| Wie hat die Amazon-Aktie reagiert? | Kurseinbruch um rund 12–13 % trotz guter Zahlen |
| Wie viel investiert Amazon 2026 in KI-Infrastruktur? | 200 Mrd. USD CapEx, erhöht von zuvor geplanten 160 Mrd. USD |
| Wie stark ist der Free Cashflow eingebrochen? | um 71 % auf 11,2 Mrd. USD |
| Wie schnell wächst AWS? | 24 % – das schnellste Wachstum seit 13 Quartalen |
| Was bringt Rufus an zusätzlichem Umsatz? | knapp 12 Mrd. USD zusätzlicher Jahresumsatz bei 300 Mio. Nutzern |
| Wie sieht die Guidance für Q1 2026 aus? | 173,5–178,5 Mrd. USD Umsatz (+11–15 % YoY) |
Diese Kennzahlen zeigen: Amazon wächst solide weiter, verschiebt aber gleichzeitig enorme Summen aus dem Cashflow in Chips, Rechenzentren und KI-Infrastruktur – und genau das sorgte für die scharfe Reaktion an der Börse.
Warum die Aktie trotz guter Zahlen abstürzte
Die operativen Zahlen aus dem Quartal sprechen für sich: Retail und Third-Party-Geschäft wachsen laut Stephan Bruns bereits das dritte Quartal in Folge zweistellig, AWS legt mit 24 Prozent so stark zu wie seit Q3 2022 nicht mehr, Advertising wächst um über 23 Prozent. Trotzdem ist die Aktie eingebrochen. Der Grund liegt nicht im operativen Geschäft, sondern in der Kapitalallokation: Die Erhöhung des CapEx-Budgets auf 200 Milliarden US-Dollar für 2026 bedeutet 40 Milliarden US-Dollar mehr Investitionsbedarf als ursprünglich angekündigt. Das Geld fehlt an anderer Stelle, konkret bei Aktienrückkäufen, und der Free Cashflow ist um 71 Prozent auf nur noch 11,2 Milliarden US-Dollar eingebrochen.
Zielkonflikt im Blick: Gute operative Zahlen und eine fallende Aktie schließen sich nicht aus. Für Amazon-Partner ist relevant, dass das Kerngeschäft – Marktplatz, Advertising, Logistik – stabil bis stark wächst. Die Börsenreaktion betrifft primär die Bewertung der KI-Wette, nicht die Substanz des E-Commerce-Geschäfts.
Unsere Erfahrung: Wer als Seller oder Vendor auf Amazon aktiv ist, sollte die Kursreaktion nicht mit einer Schwäche der Plattform verwechseln. Retail und Third-Party-Business zeigen laut den Zahlen die dritte Quartalsfolge in Folge zweistelliges Wachstum – das ist die Basis, auf der euer Geschäft läuft, unabhängig davon, wie die Börse die KI-Investitionen bewertet.
AWS und Custom Chips: die Cash-Maschine hinter der KI-Wette
Ohne AWS würde der Amazon-Marktplatz in dieser Form nicht existieren, denn das Servergeschäft ist die Cash Cow, die die Investitionen in Marktplatz und Logistik mitträgt. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf die Details: AWS wuchs im Quartal um 24 Prozent, nach 23 Prozent im Vorquartal und 20 Prozent im Quartal davor – ein klarer Beschleunigungstrend. Die Custom Chips Trainium und Graviton haben inzwischen einen Annual Revenue Run Rate von über 10 Milliarden US-Dollar erreicht, bei dreistelligem Wachstum. Über 90 Prozent der Top-1.000-AWS-Kunden nutzen bereits Graviton, und Trainium2 ist mit 1,4 Millionen ausgelieferten Chips komplett ausverkauft.
Das zeigt: Amazon ist längst kein reiner Software- und Marktplatz-Anbieter mehr, sondern positioniert sich auch als Chip-Hersteller, um bei der Rechenkapazität für KI-Anwendungen unabhängiger von anderen Anbietern zu werden. Für den Marktplatz selbst ist das relevant, weil AWS die Infrastruktur liefert, die auch Advertising- und KI-Features im Seller-Alltag mitträgt.
Rufus, Retail und Advertising: was im Tagesgeschäft ankommt
Auf der Marktplatzseite gibt es zum ersten Mal konkrete Umsatzzahlen zu Rufus, dem KI-Shopping-Assistenten: 300 Millionen Nutzer, fast 12 Milliarden US-Dollar zusätzlicher Jahresumsatz, inklusive der neuen „Buy For Me“-Funktion, mit der Rufus auch Produkte bei anderen Online-Shops findet und kauft. In der Folge äußern Stephan Bruns und Maik Busch allerdings deutliche Skepsis an der Zurechnung dieses Umsatzes: Ein Großteil davon wäre nach ihrer Einschätzung ohnehin auf der Plattform ausgegeben worden, nur eben ohne den Umweg über den Assistenten. Das ändert nichts an der strategischen Bedeutung des Themas, relativiert aber die Schlagzeile.
Für das operative Geschäft von Sellern und Vendoren sind andere Zahlen greifbarer:
- Online Stores (Vendor): 82,988 Mrd. USD Umsatz, rund 10 % Wachstum, Vendor-Anteil am Gesamtumsatz stabil bei knapp 38 %.
- Third-Party Seller Services: 52,816 Mrd. USD Umsatz, Seller stellen weiterhin 61 % aller weltweit verkauften Einheiten.
- Advertising: 21,317 Mrd. USD Umsatz, gut 23 % Wachstum YoY – der dritte starke Quartalswert in Folge.
Der Vendor-Anteil am verkauften Einheiten sinkt zwar strukturell weiter zugunsten des Seller-Geschäfts, der Umsatz im Vendor-Bereich wächst aber stabil weiter. Wer im Vendor Central unterwegs ist, sollte diesen Unterschied zwischen Umsatz- und Einheiten-Anteil im Blick behalten, bevor er daraus vorschnelle Schlüsse zieht.
International schwächelt, Ausblick bleibt vorsichtig
Das International-Segment fällt aus dem Bild: Nur 1,0 Milliarden US-Dollar Operating Income in Q4, verglichen mit 1,3 Milliarden US-Dollar im Q4 2024. Der Hauptgrund ist eine Einmalzahlung von 1,1 Milliarden US-Dollar zur Beilegung eines Steuerstreits in Italien. Ohne diesen Sondereffekt wäre das internationale Geschäft nach Einschätzung aus der Folge eher gewachsen als geschrumpft.
Für Q1 2026 gibt Amazon eine Umsatz-Guidance von 173,5 bis 178,5 Milliarden US-Dollar (+11 bis 15 % YoY) ab. Das bedeutet weiteres Wachstum, aber die Rahmenbedingungen bleiben angespannt: Amazon investiert parallel in KI-Chips, Marktplatz-Advertising und internationale Logistik, während der Free Cashflow durch die CapEx-Erhöhung deutlich enger wird.
FAQ zu den Amazon Quartalszahlen Q4 2025
Was bedeutet die 200-Milliarden-CapEx-Ankündigung für Amazon-Seller konkret? Direkt betrifft sie das Tagesgeschäft von Sellern nicht. Indirekt zeigt sie aber, dass Amazon die AWS- und KI-Infrastruktur weiter ausbaut, auf der auch Advertising-Tools und KI-Features im Seller Central aufbauen. Wachstum im Kerngeschäft – Retail, Third-Party, Advertising – bleibt laut den Zahlen davon unberührt.
Ist der Aktienkurs-Einbruch ein Warnsignal für die Plattform? Nein, laut Einordnung in der Folge nicht. Retail und Third-Party wachsen das dritte Quartal in Folge zweistellig, Advertising legt weiter zweistellig zu. Die Kursreaktion bezieht sich auf die Bewertung der KI-Investitionen und den gesunkenen Free Cashflow, nicht auf eine Schwäche im Marktplatzgeschäft.
Lohnt es sich, in Rufus als Vertriebskanal zu investieren? Die Folge äußert hier Skepsis: Der zugerechnete Zusatzumsatz von rund 12 Mrd. USD wird kritisch hinterfragt, weil ein Teil davon vermutlich ohnehin auf der Plattform stattgefunden hätte. Rufus wird eher als Unterstützung im Kaufprozess eingeschätzt als als eigenständiger, umsatztreibender Kanal – zumindest aktuell.
Warum schwächelt das internationale Geschäft, während Nordamerika stark wächst? Der Rückgang im Operating Income international ist laut den Zahlen zu einem großen Teil auf eine Einmalzahlung von 1,1 Mrd. USD für einen Steuerstreit in Italien zurückzuführen, nicht auf strukturelle Probleme im Geschäft selbst.
Fazit: Solides Kerngeschäft, teure KI-Wette
Die Amazon Quartalszahlen Q4 2025 zeigen zwei Geschichten gleichzeitig: Ein Marktplatz- und Advertising-Geschäft, das stabil bis stark wächst, und eine milliardenschwere Wette auf KI-Infrastruktur, die kurzfristig auf den Cashflow und den Aktienkurs drückt. Für Amazon-Seller und Vendoren bleibt das Kerngeschäft der relevante Maßstab, und das läuft nach den vorliegenden Zahlen rund. In der Podcast-Folge sprechen Stephan Bruns und Maik Busch außerdem noch ausführlicher über Rufus, die Custom Chips und die Guidance fürs erste Quartal 2026 – schaut gerne im eingebetteten Video vorbei.
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