AWD vs. FBA: Wann Amazons Vorratslager wirklich Geld spart

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Stephan Bruns
Stephan Bruns

Mit AWD-FBA-Rechner: Berechne auf SKU-Ebene, ob direktes FBA, eigene Logistik oder Amazon AWD für dein Produkt günstiger ist.

Ab Oktober gilt bei Amazon wie jedes Jahr die saisonal höhere FBA-Lagergebühr. Für Standardgröße steigt sie im europäischen Raum von 27,54 Euro auf 52,20 Euro pro Kubikmeter und Monat und fällt ab Januar wieder auf den niedrigeren Satz zurück. Es geht also nicht um eine generelle Preiserhöhung, sondern um den bekannten Q4-Effekt. Wenn zusätzlich viel Bestand im FBA liegt oder Ware älter wird, können weitere Aufschläge dazukommen. Aus „lieber etwas mehr Bestand vorhalten“ wird dann schnell ein relevanter Kostenblock.

AWD, also Amazon Warehousing and Distribution, kann in solchen Fällen helfen. Der Service lagert größere Vorratsmengen günstiger im Amazon-Netzwerk und füllt das FBA-Lager automatisch nach. Wirtschaftlich sinnvoll ist das aber nicht für jedes Produkt. Die Antwort hängt vor allem an einer Zahl: deiner durchschnittlichen Lagerdauer.

Deshalb sollte AWD nicht pauschal bewertet werden, sondern auf SKU-Ebene: mit Absatz, Maßen, Lagerdauer, Saison und den eigenen Logistikkosten. Genau dafür haben wir bei REVOIC unseren AWD-FBA-Rechner gebaut. Du kannst direkt zu unserem Rechner springen oder erst die wichtigsten Unterschiede zwischen AWD, FBA und eigener Logistik lesen.

Was ist Amazon AWD?

AWD ist eine vorgelagerte Bulk-Lagerschicht im Amazon-Netzwerk. Du lieferst Ware in größeren Mengen ins AWD, Amazon lagert sie dort ein und schiebt Bestand ins FBA nach, sobald Nachschub gebraucht wird.

Der Warenfluss sieht so aus:

Lieferant → AWD → FBA → Kunde

AWD versendet also nicht direkt an Endkunden. Der Kundenversand läuft weiterhin über FBA. AWD übernimmt die Vorratslagerung und die Nachlieferung Richtung FBA.

Für Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien stehen die AWD-Lager in Deutschland. Für Großbritannien gibt es ein eigenes AWD im Vereinigten Königreich.

Warum wird FBA-Lagerung im Q4 teurer?

FBA ist stark, wenn Ware verkaufsnah liegt und schnell dreht. Teuer wird es, wenn FBA als Vorratslager genutzt wird.

Um das einzuordnen, muss man sich drei Kostenblöcke anschauen: die normale monatliche Lagergebühr, mögliche Aufschläge bei hoher Lagerreichweite und mögliche Aufschläge für älteren Bestand. Die normale Lagergebühr ist dabei der planbare Teil. Sie steigt im Q4 saisonal an und sinkt ab Januar wieder.

FBA-Lagergebühr pro Kubikmeter und Monat, Standardgröße, Euro-Raum:

ZeitraumGebühr
Januar bis September27,54 €
Oktober bis Dezember52,20 €

Bei Übergröße liegen die Sätze bei 21,78 Euro in der Nebensaison und 34,49 Euro in der Hauptsaison.

Interessant wird es, wenn Bestand nicht nur kurz für den Verkauf bereitliegt, sondern über Wochen oder Monate im FBA bleibt. Dann kann zusätzlich der Aufschlag für Lagerauslastung greifen. Er hängt davon ab, wie viele Wochen Bestand im Verhältnis zum Abverkauf vorhanden sind.

Aufschlag für Lagerauslastung, pro Kubikmeter und Monat:

ReichweiteAufschlag
22 bis 28 Wochen14,85 €
28 bis 36 Wochen27,05 €
36 bis 44 Wochen37,61 €
44 bis 52 Wochen46,55 €
über 52 Wochen76,87 €

Der zweite Aufschlag betrifft älteren Bestand. Relevant wird er ab 241 Tagen Lagerdauer. Das heißt nicht, dass man solche Zeiträume planen sollte. Für viele Seller reicht schon die erste Stufe, um zu sehen, warum zu viel Bestand im FBA teuer werden kann.

Aufschlag für Altbestand ab 241 Tagen, pro Kubikmeter und Monat:

LagerdauerAufschlag
241 bis 270 Tage47,99 €
271 bis 300 Tage125,16 €
301 bis 330 Tage129,92 €
331 bis 365 Tage135,98 €
366 bis 455 Tage227,63 €
über 455 Tage261,97 €

Ein realistischeres Beispiel: Liegt ein Kubikmeter Bestand 250 Tage im FBA, kann zusätzlich zur normalen Lagergebühr bereits ein Altbestands-Aufschlag von 47,99 Euro pro Monat entstehen. Das ist fast das Vierfache der reinen AWD-Lagergebühr im Basistarif von 12,33 Euro pro Kubikmeter und Monat.

Das ist der Grund, warum FBA bei Schnelldrehern oft sauber funktioniert, bei saisonaler Bevorratung oder größeren Importmengen aber teuer werden kann. Wer den gesamten Vorrat direkt ins FBA schickt, bezahlt Planungssicherheit häufig mit hohen Lagergebühren.

Was kostet Amazon AWD?

AWD senkt die Lagerkosten, bringt aber eigene Gebühren mit. Neben der Lagerung fallen Wareneingang, Warenausgang und der Transport vom AWD ins FBA an.

AWD-Gebühren EU:

KostenblockBasistarifAMS-Tarif
Lagerung pro m³ und Monat12,33 €11,09 €
Transport AWD → FBA pro m³37,58 €33,82 €
Wareneingang pro Karton0,72 €0,72 €
Warenausgang pro Karton1,15 €1,15 €

Der AMS-Tarif ist der rabattierte Tarif. Du bekommst ihn nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind:

  1. Anlieferung ans AWD über Amazon Global Logistics oder das Transportpartner-Programm
  2. in den letzten 90 Tagen mindestens 70 Prozent der SKU automatisch von AWD zu FBA nachgefüllt
  3. Lagerreichweite der SKU mindestens 70 Tage

Neue SKUs erhalten den AMS-Tarif in den ersten Monaten automatisch, sofern die Anlieferung über Amazon Global Logistics oder das Transportpartner-Programm läuft.

Für die Bewertung reicht die niedrigere Lagergebühr allein nicht aus. Wenn ein Produkt sehr schnell dreht und ständig vom AWD ins FBA bewegt wird, können die Transportkosten den Vorteil der günstigeren Lagerung aufzehren.

Warum kann AWD FBA-Aufschläge reduzieren?

Der AWD-Vorteil entsteht nicht nur durch die niedrigere Lagergebühr. Entscheidend ist, dass im FBA nur ein verkaufsnaher Puffer liegt.

Wenn mindestens 70 Prozent des FBA-Bestands automatisch aus AWD nachgefüllt werden, können bei FBA für Ware bis 365 Tage mehrere Gebührenblöcke wegfallen: der Aufschlag für Lagerauslastung, der Aufschlag für Altbestand und die Gebühr für niedrigen Lagerbestand.

Praktisch bedeutet das: Der Vorrat liegt günstiger im AWD, während FBA nur die Menge hält, die kurzfristig für den Verkauf gebraucht wird. Das macht AWD vor allem bei geplanter Bevorratung relevant, etwa vor Q4 oder bei langen Produktions- und Importlaufzeiten.

Wann lohnt sich AWD bei Amazon?

Die wichtigste Kennzahl ist die durchschnittliche Lagerdauer: Wie viele Monate Bestand hältst du vor, gemessen am tatsächlichen Abverkauf?

Als grobe Orientierung liegt der Break-even oft bei rund vier Monaten Lagerdauer. Darunter ist direktes FBA häufig günstiger. Darüber wird AWD zunehmend interessanter.

Vereinfachte Beispielrechnungen, Kosten pro Jahr, Standardprodukt, Nebensaison:

FallFBAAWDErgebnis
Schnelldreher, 600 Stück pro Monat, 3 Wochen Lager744 €2.521 €FBA klar günstiger
Mitteldreher, 250 Stück pro Monat, 2,5 Monate Lager1.033 €1.374 €FBA, aber Grenzbereich
Saisonware, 200 Stück pro Monat, 6 Monate Lager3.052 €1.617 €AWD spart rund 1.435 €
Langzeitlager, 100 Stück pro Monat, 12 Monate Lager10.230 €1.252 €AWD spart fast 9.000 €

Wenn du diese Rechnung nicht für jede SKU manuell nachbauen möchtest, ist der AWD-FBA-Rechner genau dafür gedacht.

Die Beispiele zeigen auch eine wichtige Grenze: Lange Lagerdauer macht AWD rechnerisch attraktiver. Wenn ein Artikel aber lange liegt, weil er sich schlecht verkauft, löst AWD das eigentliche Problem nicht. Es reduziert Lagerkosten, verbessert aber keinen Abverkauf.

Sinnvoll ist AWD vor allem bei geplanter Bevorratung: saisonale Nachfrage, stabile Bestseller mit langen Nachschubzeiten, größere Importmengen oder Sortimente, bei denen ein Out-of-Stock teurer wäre als zusätzlicher Bestand.

AWD vs. FBA vs. eigene Logistik: Welche Option ist günstiger?

In der Praxis stehen meist drei Wege zur Auswahl:

  1. gesamter Bestand direkt ins FBA
  2. Vorrat im eigenen Lager, regelmäßige Nachlieferung ins FBA
  3. Vorrat im AWD, automatische Nachlieferung ins FBA

Die eigene Logistik kann günstiger sein, wenn Lagerfläche, Personal und Prozesse effizient sind. Sie wird in Kalkulationen aber häufig zu positiv bewertet. Oft stehen nur Lagerkosten pro Kubikmeter in der Rechnung, während Wareneingang, Umpacken, Etikettierung, FBA-Vorbereitung, Sendungserstellung, Kartonhandling und Transport zum Amazon-Lager fehlen.

An dieser Stelle wird AWD wirtschaftlich relevant. Es geht nicht nur um Lagergebühren, sondern auch um operative Entlastung. Statt häufig kleine FBA-Sendungen vorzubereiten, lieferst du größere Mengen ins AWD und lässt Amazon den Nachschub ins FBA steuern.

Das passt eher zu Palettenmengen und planbarem Abverkauf als zu kleinen Testmengen oder stark schwankender Nachfrage.

AWD-FBA-Rechner: Welche Logistik ist für deine SKU günstiger?

AWD lässt sich nicht seriös pauschal bewerten. Zwei Produkte mit gleichem Monatsabsatz können komplett unterschiedliche Ergebnisse haben, wenn Maße, Kartonmenge, Saison, Lagerdauer und eigene Prozesskosten unterschiedlich sind.

Unser AWD-FBA-Rechner vergleicht deshalb drei Wege auf SKU-Ebene:

  • direkt ins FBA
  • eigene Logistik plus FBA
  • AWD plus FBA

Du trägst unter anderem ein:

  • Absatz pro Monat
  • Maße und Gewicht der verpackten Einheit
  • Einheiten pro Karton
  • durchschnittliche Lagerdauer
  • Saison, also Neben- oder Hauptsaison
  • eigene Lagerkosten pro Kubikmeter
  • eigenes Handling pro Einheit
  • AWD-Tarif
  • FBA-Puffer
  • Anteil möglicher Altbestände

Der Rechner zeigt, welcher Weg auf Jahresbasis günstiger ist und wo ungefähr der Wechselpunkt zwischen eigener Logistik und AWD liegt. Das ersetzt keine Detailprüfung, liefert aber schnell eine belastbare erste Einschätzung: Gehört AWD für diese SKU in die engere Auswahl oder nicht?

Für welche Produkte ist Amazon AWD nicht verfügbar?

AWD ist nicht für jedes Sortiment nutzbar. In der EU ist AWD nur für paneuropäisch gelistete Produkte verfügbar, mit Umsatzsteuerregistrierung in Deutschland plus mindestens einem weiteren Land, zum Beispiel Frankreich, Italien, Polen oder Spanien.

Ausgeschlossen sind unter anderem:

  • Gefahrgut und Hazmat, einschließlich vieler Batterieartikel
  • schmelzbare Ware wie Schokolade, Weingummi oder Produkte auf Gelee- oder Wachsbasis
  • gekühlte Waren
  • Schmuck, Uhren, hochwertige Produkte, Amazon-Geräte und Gutscheine
  • Übergröße sowie schwere und sperrige Ware über 63,5 cm je Seite oder über 22,2 kg

Bei Lebensmitteln ist die Mindesthaltbarkeit entscheidend. Beim Eingang ins AWD müssen mindestens 185 Tage Restlaufzeit vorhanden sein. Beim Ausgang Richtung FBA müssen es mindestens 105 Tage sein. Wird das unterschritten, kann Amazon Ware nach dem FEFO-Prinzip automatisch entsorgen.

Ein Punkt sorgt in der Praxis regelmäßig für Verwirrung: Die FBA-Lagergebühr berechnet sich nach Volumen, nicht nach Gewicht. Das Gewicht entscheidet zusammen mit den Maßen über die Größenklasse und damit auch darüber, ob ein Produkt AWD-berechtigt ist. Für die Lagergebühr selbst ist das Volumen der relevante Treiber.

Sollte ich AWD für mein Sortiment prüfen?

AWD lohnt sich vor allem, wenn Ware geplant länger bevorratet wird, FBA-Aufschläge relevant werden oder die eigene Logistik viel Aufwand verursacht. Bei kurzen Lagerzeiten, kleinen Mengen oder sehr schnellen Drehern bleibt direktes FBA oft die bessere Lösung.

Die beste Entscheidung entsteht auf SKU-Ebene. Deshalb ist der AWD-FBA-Rechner so aufgebaut, dass er direktes FBA, eigene Logistik plus FBA und AWD plus FBA miteinander vergleicht. Erst dieser Dreiklang zeigt, welcher Weg für ein Produkt wirklich wirtschaftlich ist.

Wenn du dein Sortiment nicht nur grob überschlagen, sondern sauber bewerten möchtest, unterstützen wir dich gerne bei der Analyse. Mit echten Kosten, realistischen Annahmen und einer Empfehlung, die zur jeweiligen SKU passt.

FAQ zu Amazon AWD, FBA und Lagerkosten

Was ist der Unterschied zwischen AWD und FBA?

AWD ist das vorgelagerte Vorratslager von Amazon. FBA ist das Lager- und Versandnetz für den Verkauf an Endkunden. Bei AWD liegt Ware zunächst im Bulk-Lager und wird anschließend ins FBA nachgefüllt. Der Kundenversand läuft weiterhin über FBA.

Wann lohnt sich Amazon AWD?

Amazon AWD lohnt sich vor allem bei geplanter Bevorratung, längerer Lagerdauer, saisonalen Peaks, größeren Importmengen und stabil planbarem Abverkauf. Bei kurzen Lagerzeiten und sehr schnellen Drehern bleibt direktes FBA häufig günstiger.

Ist AWD günstiger als FBA?

Die reine AWD-Lagergebühr ist niedriger als die FBA-Lagergebühr. AWD ist aber nicht automatisch insgesamt günstiger, weil zusätzlich Transport- und Handlingkosten entstehen. Entscheidend ist die durchschnittliche Lagerdauer einer SKU.

Was kostet Amazon AWD?

Im EU-Basistarif kostet AWD 12,33 Euro pro Kubikmeter und Monat für die Lagerung. Dazu kommen 37,58 Euro pro Kubikmeter für den Transport von AWD zu FBA sowie Gebühren für Wareneingang und Warenausgang pro Karton. Im AMS-Tarif sind Lagerung und Transport günstiger.

Was ist der AWD-Break-even?

Als grobe Orientierung liegt der Break-even häufig bei rund vier Monaten durchschnittlicher Lagerdauer. Darunter ist direktes FBA oft günstiger, darüber kann AWD wirtschaftlich interessanter werden. Der genaue Punkt hängt von Maßen, Absatz, Saison, Kartonmenge und eigenen Logistikkosten ab.

Kann AWD eigene Logistik ersetzen?

AWD kann Teile der eigenen Logistik ersetzen oder entlasten, vor allem bei Palettenmengen und planbarer Nachlieferung. Es ersetzt aber nicht jede Logistikfunktion und ist nicht für jedes Sortiment verfügbar.

Für welche Produkte ist AWD ausgeschlossen?

Ausgeschlossen sind unter anderem Gefahrgut, viele Batterieartikel, schmelzbare oder gekühlte Ware, Schmuck, Uhren, hochwertige Produkte, Amazon-Geräte, Gutscheine sowie Übergröße oder schwere und sperrige Ware. In der EU gelten außerdem PanEU-Voraussetzungen.

Wird FBA im Oktober generell teurer?

Nein. Im Oktober beginnt die saisonal höhere FBA-Lagergebühr für die Hauptsaison. Ab Januar gilt wieder der niedrigere Satz. Es handelt sich also um den bekannten saisonalen Effekt, nicht um eine generelle Preiserhöhung.


Alle genannten Gebühren basieren auf Amazon Seller Central Deutschland, Stand 22.07.2026. Amazon passt Gebühren regelmäßig an. Vor einer operativen Entscheidung solltest du die aktuellen Sätze noch einmal prüfen. Die Beispielrechnungen sind vereinfacht und ohne Gewähr.

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