News von Amazon 1 03/2026
Amazon macht die Daten dicht – Warum Rezensionen verschwinden
Amazon hat die Sichtbarkeit und das Scraping von Kundenrezensionen in den USA teils massiv eingeschränkt. Was auf den ersten Blick wie ein UX-Update wirkt, ist in Wirklichkeit ein strategischer Schachzug.
Seller und Tool-Anbieter haben jahrelang Rezensionsdaten im großen Stil abgezogen – um Produktlücken zu finden, Positionierungen zu schärfen und Käuferverhalten zu analysieren. Mit dem Aufkommen von KI-Tools wie Rufus, Amazons eigenem Shopping-Assistenten, wurde die Sprache aus Rezensionen sogar zum direkten Signal für Suchanfragen.
Amazon hat erkannt, dass externe Akteure auf Basis dieser Daten regelrechte Intelligenz-Systeme aufgebaut haben – Preishistorien, Ranking-Muster, Katalogstrukturen – alles außerhalb von Amazons Kontrolle. Die Begrenzung der sichtbaren Rezensionen ist der erste sichtbare Schritt, um diesen Datenabfluss zu stoppen.
Unsere Einschätzung
Für Seller und Vendoren bedeutet das: Wer bisher stark auf externe Review-Analyse-Tools gesetzt hat, muss umdenken. Amazons eigene Tools wie Brand Analytics und der Opportunity Explorer werden wichtiger denn je. Investiert in eure eigenen First-Party-Daten und nutzt die Insights, die Amazon euch innerhalb der Plattform zur Verfügung stellt – denn der Zugang von außen wird zunehmend eingeschränkt.
Unser beliebter Roundtable und weitere News-Formate findest du auf unserer neuen Landingpage.
Neue Preis-Badges: Amazon verschärft die Preiskontrolle
Amazon geht jetzt noch härter gegen Preisunterschiede auf anderen Plattformen vor. Bisher war es so: Wenn euer Produkt woanders günstiger war, habt ihr die BuyBox verloren – bis der Preis auf der anderen Plattform wieder angepasst wurde.
Was sich jetzt ändert
Jetzt geht Amazon einen Schritt weiter: Selbst wenn der Preis auf der anderen Plattform wieder angehoben wurde, bleibt ein Badge auf eurem Produkt, das darauf hinweist, dass der Preis früher woanders niedriger war. Das Badge verschwindet also nicht mehr automatisch, wenn die Preisparität wiederhergestellt ist.
Unsere Einschätzung
Das ist ein klares Signal: Amazon will die Preishoheit und duldet keine günstigeren Angebote auf anderen Kanälen – nicht einmal rückwirkend. Für Multichannel-Händler wird die Preisgestaltung damit noch komplexer. Prüft eure Pricing-Strategie über alle Kanäle hinweg und stellt sicher, dass Amazon preislich mindestens gleichauf ist.
Besonders im Zusammenspiel mit dem aktuellen Bundeskartellamt-Verfahren, das wir im letzten Newsletter behandelt haben, wird dieses Thema spannend: Amazon verschärft intern die Preiskontrolle, während extern reguliert wird. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese beiden Entwicklungen gegenseitig beeinflussen.
Neue EU-Label-Pflicht für Gewährleistung und Garantie ab September 2026
Ab dem 27. September 2026 müssen Händler einheitliche EU-Label zur Gewährleistung und – sofern vorhanden – zur Herstellergarantie anzeigen. Ähnlich wie bei den bekannten Energieeffizienz-Labels werden standardisierte Kennzeichnungen Pflicht, die Käufer über ihre Rechte informieren.
Was genau kommt auf Händler zu
Das Bundesministerium der Justiz hat bereits einen Referentenentwurf zur Umsetzung in deutsches Recht veröffentlicht. Wichtig: Es handelt sich um zusätzliche Informationspflichten – die Haftung selbst wird nicht verschärft. Die Label müssen sowohl die gesetzliche Gewährleistung als auch eine etwaige freiwillige Herstellergarantie abbilden.
Spannend wird es beim Verkauf gebrauchter Ware: Hier können Händler die Gewährleistungsfrist nach deutschem Recht weiterhin vertraglich auf ein Jahr verkürzen – auch über den Stichtag hinaus.
Unsere Einschätzung
Auch wenn September 2026 noch etwas hin ist – fangt jetzt an, euch vorzubereiten. Gerade auf Amazon wird es interessant, wie die Label-Pflicht technisch umgesetzt wird. Wir erwarten, dass Amazon hier eine plattformseitige Lösung bereitstellen wird, aber proaktive Händler sollten ihre Listings und Produktinformationen schon jetzt darauf vorbereiten.
Achtet außerdem auf die sprachliche Umsetzung: Der aktuelle Entwurf verwendet teilweise den Begriff "Guarantee", was bei Verbrauchern leicht mit "Garantie" verwechselt werden kann – obwohl es um die gesetzliche Gewährleistung geht.
Für 2026 setzen wir auf neue Marketing-Kanäle, um euch mit aktuellen Amazon Updates zu versorgen: Unser REVOIC-Podcast kommt jeden Freitag und unser YouTube-Kanal wurden komplett überarbeitet und liefern euch ab sofort regelmäßig frische Inhalte.
Wir freuen uns auf euer Feedback!
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