News von Amazon 1 04/2026
Joybuy: Der nächste Amazon-Killer?
Joybuy ist die europäische Marktplatz-Offensive von JD.com, Chinas zweitgrößtem E-Commerce-Konzern mit einem Jahresumsatz von 187 Mrd. USD (2025) und einem Nettogewinn von 2,8 Mrd. USD.
Das Unternehmen belegt Platz 44 der Fortune Global 500 und ist seit 20 Jahren profitabel. Zusätzlich hat JD.com kürzlich Ceconomy (die Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn) für 2,2 Mrd. Euro übernommen und sichert sich damit eine stationäre Präsenz in Deutschland als strategischen Vorteil. Joybuy ist also kein Neuling, sondern ein kapitalkräftiger Akteur mit klarer Markteintrittsstrategie.
Was macht Joybuy anders?
Anders als Temu setzt Joybuy nicht auf Billigware und anonyme Händler, sondern auf ein kuratierten Markensortiment. Dazu kommt eine kostenlose Same-Day Delivery: Wer bis 11 Uhr bestellt, erhält die Lieferung noch am selben Tag und das über eine eigene Logistikinfrastruktur.
Das Abo-Modell JoyPlus kostet 3,99 EUR pro Monat, also weniger als die Hälfte von Amazon Prime (8,99 EUR). Der Marktstart wurde mit einer massiven Kampagne begleitet: Netflix, Disney+, Sky, ZDF und rund 2.000 Außenwerbeplakate. Der Vorgänger Ochama ist gescheitert – Joybuy ist der zweite, deutlich entschlossenere Anlauf.
Unsere Einschätzung
Joybuy ist kein kurzfristiger Amazon-Ersatz, aber ein ernstzunehmender zusätzlicher Kanal mit echtem Potenzial, insbesondere für Markenhersteller. Wir empfehlen, Joybuy jetzt auf die Watchlist zu setzen, Konditionen anzufragen und erste Tests mit ausgewählten, starken Marken-ASINs zu starten. Dabei sollte die Preisparität zu Amazon im Blick behalten werden, da Amazon Preise kanalübergreifend beobachtet.
Unser beliebter Round Table und weitere News-Formate findest du auf unserer Landingpage.
Letter to Shareholders 2025: Was Seller und Vendoren wissen müssen
Andy Jassy hat mit dem diesjährigen Letter to Shareholders einen ungewöhnlich offenen Brief veröffentlicht. Erstmals gibt Amazon öffentlich zu, bestehende Systeme abzureißen und neu aufzubauen, darunter Alexa, das komplett neu entwickelt wurde, sowie die Bedrock-Inferenz-Infrastruktur, die von sechs Ingenieuren in 76 Tagen neu geschrieben wurde. Der Free Cash Flow ist dabei von 38 auf 11 Milliarden Dollar gesunken, was einen Rückgang von 71 Prozent ergibt. Amazon investiert 2026 rund 200 Milliarden Dollar in Capex, also fast ausschließlich in KI.
Chips, Grocery und Tempo als neue Wachstumsfelder
Trainium und Graviton (Amazons eigene Chip-Entwicklungen) werden erstmals als eigenständiges Geschäftsfeld mit einer Run Rate von 50 Milliarden Dollar positioniert, mit Andeutungen eines Verkaufs an Dritte. Gleichzeitig hat Amazon sich im US-Lebensmittelhandel zur Nummer zwei entwickelt und wächst bei Same-Day-Frischware seit 2025 um das 40-fache. Amazon Now expandiert nach Europa mit einem Ziel von 20 Minuten Lieferzeit, d.h. Tempo wird damit zur zentralen Conversion-Voraussetzung für Seller.
Was diesen Brief besonders macht
Was diesen Brief von allen vorherigen unterscheidet, ist vor allem die ungewohnte Offenheit. Jassy entschuldigt sich nicht für den deutlichen Rückgang des Free Cash Flows, sondern kommuniziert klar und direkt, wohin die Reise geht. Dieser Kulturwechsel ist deutlich spürbar und er zeigt sich nicht nur in der Sprache des Briefes, sondern auch darin, dass mit Chips und Grocery zwei Bereiche erstmals offen als eigenständige, strategische Geschäftsmodelle benannt werden, die weit über das klassische Amazon-Kerngeschäft hinausgehen.
Amazon ändert die Spielregeln für Rabatte
Ab dem 23. April 2026 muss jeder Streichpreis auf Amazon nachweisbar sein – entweder weil ein anderer Händler denselben Preis verlangt oder weil Kunden tatsächlich zu diesem Preis gekauft haben. Wer einfach eine hohe UVP einträgt, um einen großen Rabatt vorzutäuschen, verliert seinen Streichpreis. Ab dem 18. Mai geht Amazon noch einen Schritt weiter: Der sogenannte „Typische Preis" wird neu berechnet. Wer sein Produkt mehr als die Hälfte der Zeit vergünstigt anbietet, macht seinen Aktionspreis automatisch zum Normalpreis und verliert damit auch den zweiten Weg, einen Streichpreis anzuzeigen.
Was bedeutet das für dich?
Wer fair kalkuliert und seine UVP realistisch ansetzt, muss sich keine Sorgen machen – für diese Händler ändert sich nichts. Betroffen sind vor allem Seller, die bisher mit dauerhaften Rabatten oder nicht nachweisbaren Listenpreisen gearbeitet haben. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die eigenen ASINs zu prüfen: Stimmt die UVP noch? Gibt es Produkte, die seit Monaten nur noch zum Aktionspreis laufen? Wer das jetzt bereinigt, schützt seinen wichtigsten Conversion-Hebel: den Streichpreis.
Amazon übernimmt die Purchase Journey
Buy for Me: Kaufen ohne Amazon zu verlassen
Amazon testet schon länger in den USA ein Feature namens „Buy for Me", welches wir auch schon hier bei uns im Newsletter vorgestellt haben. Aber nochmal zusammengefasst:
Konkret ermöglicht das Feature, Produkte auf externen Händler-Websites direkt aus der Amazon App heraus zu kaufen und das ohne die App auch nur einmal zu verlassen. Möglich macht das der Einsatz von Amazons KI-Modellen Nova und Claude, die im Hintergrund die externe Website öffnen und den gesamten Kaufprozess selbstständig abschließen. Für Händler, die nicht direkt auf Amazon verkaufen, gibt es zudem die Möglichkeit, ihre Produkte über sogenannte „Shop Direct Feeds" in das Amazon-Ökosystem einzuspeisen. Allerdings gibt es bereits erste kritische Stimmen: Einige Händler berichten davon, dass über dieses Feature Verkäufe abgewickelt wurden, ohne dass sie dem explizit zugestimmt haben (ein Punkt, der in den kommenden Monaten sicher noch für Diskussionen sorgen wird).
Auto Buy: Automatisch kaufen zum Wunschpreis
Das zweite neue Feature nennt sich „Auto Buy" und setzt direkt an der Buy Box an. Kunden können dort einen maximalen Zielpreis festlegen, eine gewünschte Menge angeben und eine Laufzeit definieren. Sobald das Produkt diesen Preis erreicht, kauft Amazon automatisch und der Kunde wird anschließend per App-Benachrichtigung informiert. Für Seller und Vendoren hat das spürbare strategische Konsequenzen: Da Kunden aktiv auf günstige Preispunkte warten, konzentriert sich die Nachfrage noch stärker auf Deal-Events wie Prime Day oder Black Friday. Gleichzeitig dürfte das Volumen bei vendorfinanzierten Deals weiter steigen, da genau diese Aktionen den Auslöser für automatische Käufe liefern.
Unsere Einschätzung
Beide Features zeigen deutlich, in welche Richtung Amazon strategisch steuert: Die gesamte Kaufstrecke – von der Entdeckung bis zum Abschluss – soll zunehmend innerhalb des Amazon-Ökosystems stattfinden. Wir empfehlen daher, den durchschnittlichen Verkaufspreis kontinuierlich zu tracken und parallel Maßnahmen wie Subscribe & Save sowie markeneigene Aktionen zu stärken, um die Abhängigkeit von Deal-Events langfristig zu reduzieren.
Für 2026 setzen wir auf neue Marketing-Kanäle, um euch mit aktuellen Amazon Updates zu versorgen: Unser REVOIC-Podcast kommt jeden Freitag und unser YouTube-Kanal wurden komplett überarbeitet und liefern euch ab sofort regelmäßig frische Inhalte.
Wir freuen uns auf euer Feedback!
Ab dem 17. April 2026 erhebt Amazon einen neuen Treibstoff- und Logistikzuschlag auf FBA-Versandgebühren – 1,5 % in Europa und 3,5 % in den USA und Kanada
Ab dem 1. Mai 2026 stellt Amazon Remissions- und Entsorgungsgebühren nicht mehr nach Auftragsabschluss, sondern direkt pro Einheit zum Zeitpunkt der Bearbeitung in Rechnung.
Ab dem 1. Juni 2026 berechnet Amazon die Umsatzsteuer nicht mehr pro Einheit, sondern auf Basis des gesamten Rechnungsbetrags auf Sendungsebene, was bei Mehrfachkäufen zu abweichenden Einzelpreisen führen kann.







